Ein Bauernhof als Lernort?
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© Gahleitner

27. April 2026

Lernumgebung Bauernhof?

Bildung am Bauernhof – Lernen mit allen Sinnen

70 % der österreichischen Schulkinder haben keinen Bezug mehr zur Landwirtschaft. Das bedeutet, dass sie weder in ihrem Umfeld noch in der Familie Berührungspunkte mit Landwirtschaft oder landwirtschaftlichen Themen haben (Bundesanstalt für Agrarwirtschaft, 2022). Nur noch 29 % der Jugendlichen wissen überhaupt, woher unsere Grundnahrungsmittel (Getreide, Milch, Fleisch, Gemüse etc.) stammen und welche Arbeit damit verbunden ist (López Cifuentes, Gugerell, 2021). Darüber hinaus verbringen Kinder und Jugendliche im Schnitt über vier Stunden am Tag vor Bildschirmen (DAK Gesundheitsreport, 2023).

Kurz gesagt: Heute verbringen viele Kinder immer weniger Zeit in der Natur – und noch weniger auf einem Bauernhof. Dabei bietet gerade dieser Ort einen der wertvollsten Lernräume, die es gibt. „Bildung am Bauernhof“ holt Kinder (und oft auch Erwachsene) wieder dorthin zurück, wo Lebensmittel entstehen – und ermöglicht Lernen, das nicht nur den Kopf, sondern den ganzen Menschen erreicht.

Ein Klassenzimmer, das nach Erde, Holz und frischer Luft riecht

Auf dem Bauernhof riecht es nicht nach Schulkreide.

Es riecht nach Heu, Stall, frischer Luft und manchmal auch ein bisschen nach Abenteuer.

Und genau das macht den Reiz aus:

Kinder können Tiere beobachten, füttern oder streicheln. Pflanzen beim Wachsen begleiten, Böden mit den Händen ertasten und landwirtschaftliche Maschinen aus nächster Nähe erleben. So begreifen sie Vielfalt und Zusammenhänge unmittelbar, statt sie nur anhand von Bildern oder Texten kennenzulernen. Diese direkten Erfahrungen schaffen nachhaltige Eindrücke und Erlebnisse, die kein Arbeitsblatt ersetzen kann.

 Warum Lernen hier anders wirkt

Wenn Kinder auf einem Bauernhof lernen, passiert etwas Besonderes: Das Lernen geschieht ganz automatisch, (fast) ohne dass sie es bewusst wahrnehmen. Sie entdecken Zusammenhänge, stellen Fragen und suchen eigenständig nach Antworten. Dabei erleben sie Natur, Kreisläufe und die Entstehung unserer Lebensmittel unmittelbar und in Echtzeit. Dieses praktische Erfahren schafft ein tiefes Verständnis , das Schulbücher allein nicht vermitteln können. Wissenschaftliche Studien zeigen zudem, dass Lernen mit allen Sinnen Motivation, Merkfähigkeit, Kreativität und Empathie fördert – und genau diese multisensorische Lernumgebung bietet ein Bauernhof.

Werte, die man nur im echten Leben versteht

Auf dem Bauernhof lernen Kinder nicht nur Fakten, sondern entwickeln zugleich zentrale Werte und Kompetenzen. Sie erfahren Wertschätzung für Lebensmittel, weil sie deren Entstehung miterleben und lernen Respekt gegenüber Tieren durch den direkten Umgang mit ihnen, Gleichzeitig wächst ihr Verständnis für Nachhaltigkeit und ökologische Zusammenhänge sowie ihre Achtsamkeit gegenüber der Natur. Durch das gemeinsame Tun in der Gruppe stärken die außerdem soziale Kompetenzen wie Rücksichtnahme, Zusammenarbeit und Verantwortung füreinander zu übernehmen.

Bildung am Bauernhof – Lernen mit allen Sinnen

Es sind Werte, die nicht laut vermittelt werden müssen – sie zeigen sich in jedem Erlebnis.

Und was hat das mit Seminarbäuerinnen zu tun? Sehr viel. Seminarbäuerinnen sind oft die ersten Ansprechpersonen für Schulen oder Kindergärten. Sie begleiten die Gruppen, erklären Abläufe, beantworten Fragen – und schaffen einen sicheren Rahmen, in dem Kinder echte Erfahrungen sammeln können.

Sie übersetzen Landwirtschaft in Alltagssprache.

Sie vermitteln Wissen mit Herz und Haltung.

Und sie sorgen dafür, dass jedes Kind mit einem Aha‑Erlebnis nach Hause geht.

 

Schule am Bauernhof – vom Erlebnis zum Bildungsangebot

„Schule am Bauernhof“ bringt Schulklassen und Kindergärten direkt auf den Hof und macht Landwirtschaft durch praktische Erfahrungen mit allen Sinnen erlebbar.

Wer solche wertvollen Lernräume aktiv mitgestalten möchte, kann mit dem Zertifikatslehrgang „Schule am Bauernhof“ selbst zum/zur Bildungspartner:in werden. Der Lehrgang vermittelt praxisnahes Know-how in Erlebnispädagogik, Organisation und Sicherheit und unterstützt dabei, ein eigenes Angebot am Hof zu entwickeln. So wird Landwirtschaft nicht nur erlebbar gemacht, sondern gleichzeitig ein zusätzliches Standbein für den Betrieb geschaffen – als Botschafter:in für regionale Lebensmittel und nachhaltige Kreisläufe.

 

Der Zertifikatslehrgang „Schule am Bauernhof“ auf einem Blick

  • Start: 17. September 2026
  • Kursorte: forum lk (Innsbruck), 3 Exkursionen im Raum Innsbruck sowie online via Zoom
  • Zielgruppe: Betriebsführer:in, Familienmitglied einer/s Betriebsführer:in oder sonstige auf einem land- /forstwirtschaftlichen Betrieb für mind. 2 Jahre in der Produktion mitarbeitende Person, die ihr Wissen über Landwirtschaft an Kinder und Jugendliche weitergeben möchten.
  • Anmeldeschluss: 31.08.2026

 

 

 

Weitere Informationen & Kontakt:
LFI Tirol – Schule am Bauernhof
Brixner Straße 1
6020 Innsbruck
Tel.: +43 5 92 92-1106
E-Mail: erlebnis.lw@lk-tirol.at